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Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. - - - - - Hermann Hesse



Hallo, da bin ich! hora skopein


Sabine Bärwald , geboren 1957








Die 101. Kieler Woche - Zeitungsfoto




Mich

mich sein lassen
ganz mich


Sehen
dass ich nur ich bin
wenn ich alles bin
was ich bin
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreissen
und das was sich anschmiegen will


Wer nur die Hälfte liebt
der liebt mich nicht halb
sondern gar nicht
der will mich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln


Mich mich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem -
nach allem
was ich bin


Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach meinem Willen
und Unwillen


nach jeder meiner Gebärden
nach meiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit


Dann
ist dieses
mich mich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer


nach Erich Fried


 

Dein Leben hängt davon ab,
was Du aus dem machst,
was aus Dir gemacht worden ist.
J. P. Sartre









"Weißt du was", sagt die Schwester zu ihrem Bruder, "ich glaube, es gibt ein Leben nach der Geburt!"

"Was für eine Idee!" erwidert er, "warum denn? Hier ist es doch schön dunkel und warm, und wir haben genug zu essen."
Das Mädchen gibt nicht nach: "Es muss doch mehr als diesen Ort geben, etwas, wo Licht ist. Und vielleicht werden wir uns frei bewegen und mit dem Mund essen."
Aber sie kann ihren Zwillingsbruder nicht überzeugen.
"Mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Und es ist noch nie einer zurückgekommen von "nach der Geburt". Das hier ist alles, was es gibt! Und mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Warum willst du immer noch mehr?"
Nach längerem Schweigen sagt die Schwester zögernd: "Aber weißt du, was ich noch glaube? Ich glaube, dass wir eine Mutter haben!"
"Eine Mutter!" entgegnet er spöttisch, "ich habe noch nie eine Mutter gesehen, also gibt es sie auch nicht."
"Aber manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt..."
Wieder schweigen beide eine Zeit lang. Schließlich fährt die Schwester fort: "Spürst du nicht ab und zu diesen Druck? Das ist doch immer wieder ganz unangenehm. Manchmal tut es richtig weh."
"Ja, aber was soll das schon heißen?"
"Ich glaube, dass dieses Wehtun dazu da ist, um uns auf einen anderen Ort vorzubereiten, wo es viel schöner ist als hier und wo wir unsere Mutter von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Wird das nicht aufregend sein?"

nach Henry Nouwen









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