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EinundAus

Was macht ein neugieriges Kind mit einer endlos langen ereignislosen Menge von Zeit?

Es kann sie strukturieren. Da gibt es eine Reihe von Möglichkeiten.
Zum Beispiel die Finger betasten. Dann die Zehen. Das dauert eine Weile. Für ein Kind.

Dann kommt die Langeweile zurück. Langsam.
Irgendwann lassen sich die Finger zählen. Davon hat man schließlich 10 Stück. Und die Zehen. Sind nochmal 10. Irgendwann ist das Zählen gelernt. Neues muss her.

Ich habe den blinden Fleck im Auge selbst entdeckt. Indem ich ihn mit der Deckenlampe zum Verschwinden brachte. Das hat mich lange fasziniert, ich konnte das stundenlang variieren.
Zunächst mit ortsfesten Gegenständen, später mit bewegten, mit Fliegen zum Beispiel. Indem ich versuchte, ihre Flugbahn vorauszuberechnen und sie so zum Verschwinden zu bringen.

In dem winzigen fensterlosen Bad gab es damals einen Boiler, der zum Schutz mit einem gestanzten Drahtgitter umfasst war. Den habe ich solange angestarrt, bis ich anfing zu schielen und die Gitterlandschaft dreidimensional erschien. Das war eine anspruchsvolle Aufgabe, da es nicht schnell zu erreichen war, Geduld war gefragt.

Aber irgendwann kommt die Langeweile zurück. Langsam. Quälend.

Ich begann, sich schwierigere Übungen auszudenken. Auf dem Rücken liegen und ein Bein hochhalten. Dann loslassen - innerlich. Das Hochhalten vergessen, sozusagen. Äusserlich in der Position verharren.
Konnte alles Vorherige noch ziemlich unbemerkt durchgeführt werden, erregte dies nun absolutes Misstrauen. Statt gelobt zu werden, wurde ichb ungefähr von diesem Moment an noch argwöhnischer beobachtet auf etwaige Abweichungen vom "Normalen".
"Von wem hat sie das?" Es schien nur noch diese eine Frage zu geben bei dem, was ich tat oder ließ.
Ist ja nur eine Frage, kann man denken. Erwachsene wissen um die Sachinformation eines Satzes. Stimmt sie mit Mimik und Gestik überein, ist ja auch alles in Ordnung. Was aber, wenn das, was ein Kind hört, nicht mit dem übereinstimmt, was es sieht und fühlt?

Am besten, man wartet ein paar Jahre und macht weiter so. Auf Nachfragen des Kindes antwortet man am besten: "Ach Kind, das bildest du dir nur ein" und auf ein Nachhaken von Seiten des Kindes: "Da sieht man mal, WIE verkehrt du bist".
Verunsichern nennt sich das. Es scheint häufiger vorzukommen als man annimmt, da muss doch ein Vorteil für die Eltern drin sein? Richtig:
Es gibt einfach nichts, das verlässlicher abhängig macht.
Lebenslang.


Egal, was auch immer ich tat oder nicht tat, es war verkehrt. Ob ich die Schlüssel in den Türen ständig drehte - Auf und Zu Auf und Zu Auf und Zu... - oder den Lichtschalter ständig an- und ausknipste, ich nervte. War "sehr lebendig". Leider war das nicht erwünscht.


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